Nerdfee

10 Gründe warum ich wieder ein Kind sein mag..

..und ein Grund warum ich doch froh bin es nicht mehr zu sein

„Früher war alles besser“ hörte ich so oft die Erwachsenen reden und habe mich immer gefragt was an diesem „Früher“, von dem sie da sprachen, besser gewesen sein sollte. Sie erzählten aus einer Zeit in der es keinen Gameboy gab und in der Eis zwar 10 Pfennig kostete, aber man dafür wohl total selten mal 10 Pfennig hatte. Angeblich gab es „damals“ mehr Werte, aber wie konnte das sein, wo man diese doch alle bei den Masters of the Universe lernt und auch jene „damals“ keiner kannte?! Auch war „damals“ doch Krieg, versteh einer diese Erwachsenen.

Nun bin ich also selbst erwachsen (zumindest steht das auf meinem Ausweis, wo ich mich eigentlich wie eine neunjährige gefangen in diesem Körper fühle) und ertappe mich gelegentlich selbst dabei, wie ich „die guten alten Zeiten“ vermisse. Denn „damals“ waren tatsächlich einige Dinge besser:

1. Die Juniortüte
Höret auf ihr jungen Leser, als die Tante Nerdfee jung war, da hiess das „Happy Meal“ noch „Juniortüte“ und hatte viel besseres Spielzeug als heute. In da Face! Zugegeben: Die Qualität hat hier nicht so nachgelassen wie beim Ü-Ei, aber unterm Strich war da damals einfach der heissere heisse Scheiss drin. Es gab auch keine Vitamine, a la Apfeltüte oder Fruchtquetsch, die man heute untergejubelt bekommt. Drin waren Nuggets oder Burger, dazu Pommes plus Getränk und eben ein Spielzeug. Punkt.

2. Haushalten
Dieser eigene Haushalt, von dem man immer träumte, erwies sich doch als ziemlich anstrengend.
Aufräumen musste man doch vorher nur das eigene Zimmer, was zugegebenermassen schon zu viel schien, plötzlich muss man einen ganzen Haushalt führen. Sogar Rechnungen bezahlen. Ekelhaft! Da wurde der eigene Briefkasten recht schnell zum Feind. Ich hatte mir ja immer Post gewünscht, aber diese Rechnungen?

3. Schulferien
Was waren das für herrliche Zeiten. Nicht nur, dass es etliche Wochen Ferien gab, es hatte auch noch ein exzellentes Entertainment-Programm. Meine Mami kaufte mir immer einige Videospiele (Urlaub war zu teuer und so war das Kind beschäftigt). Morgens lief auf ZDF das Ferien Programm (gibt es das heute noch?), das war herrlich. Da kamen diese ganzen alten Kinder-Filme.
Die Nächte wurden ebenfalls durchgemacht, man musste ja nicht früh raus (gut, das hat mich auch wenn Schule war nicht interessiert).

4. Keine Handys
Was war das toll, wenn man sich traf. Man hat dem anderen ins Gesicht gesehen und geredet. Heute sieht man überall diese Zombies, die nur auf ihr Smartphone glotzen. Warum treffen die sich überhaupt, wenn sie sich eh nicht unterhalten?!

5. Die Bude gegenüber
Nach Omas Küche und Mc Donalds war das Büdchen gegenüber der kulinarisch beste Ort auf der Welt. Dort konnte ich mir für ein paar Pfennige so richtig was leisten. Da gab es diese Kaugummis mit Stickern von tollen Fernsehsendungen, Schokoladenzigaretten, Esspapier, Brause-Ufos, Knister-Kaugummi, Schnullis und Leckmuscheln (Pfui wer hier dreckig denkt!). Manchmal (wenn meine Mutter ihre Ruhe wollte und es Monatsanfang war) bekam ich 2,- DM. 2,- FUCKING DM!! Damit war man in der Siedlung der König (für die Unwissenden: 2 DM sind heute ungefähr 100€). Damit konnte man also eine gemischte Tüte kaufen, die alle Kinder der Strasse mit einem Zuckerschock berauschte. Da stand man und liess den Kiosk Besitzer jedes 5 Pfennig Produkt nach dem anderen aus den Kisten holen und (heute kaum vorstellbar) der Herr hat das immer geduldig mitgemacht.
Vorm Kiosk stand dann auch noch ein Kaugummiautomat, das war quasi der Rummel der Strasse. Hier hat man sein Geld als Kind wirklich nur gelassen, wenn man gerade Geburtstag hatte oder es Taschengeld gab. Wenn man etwas vernünftiges wollte, musste man schon eine Mark einwerfen. Aber dafür bekam man dann so tolle Trolle mit bunten Haaren oder die allseits beliebten Verlobungs-Ringe.

6. Der Möllmann
Das war der aller aller schönste Spielzeugladen in meiner Heimat Bochum und ich bin auf meinem Schulweg immer dran vorbei gekommen. Im Sommer standen draussen diese blauen Wasserbahnen zum spielen (ich kam immer zu spät heim) und im Winter kam zur Adventszeit immer der Besitzer raus, las eine Geschichte vor und danach bekam jedes Kind eine Kleinigkeit geschenkt. Ich erinnere mich sogar noch, dass es mal eine Tombola dort gab und ich so ein Keyper-Pferd gewann, dass ich heute noch besitze.

7. Flohmarkt / Second Hand Shops
Das Paradies für Kinderzimmer und Portmonee. Heutzutage ist dank des Internetz und diesen ganzen online Auktionshäusern der gute alte Flohmarkt nicht mehr was er früher war und auch die Second Hand Shops sterben aus. Ist man dann mal auf einem Flohmarkt und entdeckt einen Schatz kommt nach dem utopischen Preis immer der Spruch: „Bei Ebay kostet das eben so viel, schauen Sie doch nach.“ Ähä, was im Internet steht muss ja auch wahr sein.

8. Das Fernsehprogramm
Zugegeben: Das Fernsehprogramm war ja schon in meiner Kindheit nicht perfekt, aber so schlimm wie heute war es bei weitem nicht. Vor allem die Kinderserien vermittelten noch Werte und machten richtig Spass.. welche Sendung kann da denn heute noch mithalten? Ich liebte auch diese ganzen alten Krimis.. Columbo, Mord ist ihr Hobby und Freitag Abends kam immer ein Edgar Wallace Film.. herrlich!

9. Videospiele
Während die Grafik in Games immer realistischer und schärfer geworden ist, habe ich das Gefühl, dass Story und Tiefe heute immer weniger zu finden sind. Vielleicht kommt es mir nur so vor, aber das Niveau passt sich zu oft der Gesellschaft an (vor dem
Internet wusste ich damals auch noch nicht wie viele Idioten es da draussen wirklich hat).

10. Herzschmerz
Als Kind spielt man noch so als gäbe es kein morgen mehr und wenn man sich mal verletzt hat, dann heilte die Wunde recht schnell. Wenn man erwachsen ist heilt so ein gebrochenes Herz leider langsamer als ein aufgeschlagenes Knie. Eigentlich heilt es nie wirklich ganz..

Aber ja, es hat auch einen Grund warum ich nie mehr Kind sein mag. Gut es hat mehrere aber einen der allen voraus ist. Ich könnte nun natürlich total oberklug und weise a la Gandalf hergehen und sagen:

-Ich möchte keinen Stillstand in meinen Leben, denn das Leben ist wie ein Fluss. Man berührt jeden Teil der Strömung nur zu einem bestimmten Moment.-

(Ich weiss, dass Du das nun mit Gandalfs Stimme und in seinem Tempo gelesen hast)

Das hätte ich sagen können, mach ich aber nicht! Der Grund warum ich kein Kind mehr sein mag, sind natürlich die Bundesjugendspiele.

BUNDES - MOTHERFUCKING - JUGENDSPIELE!!!

Warum überhaupt „Spiele“?! Ein Spiel verbinde ich mit Spass, davon kann ja hier keine Rede sein.

Ich habe schon Monate davor Bauchschmerzen gehabt. Ich bekomme schon Schmerzen beim Gedanken daran. Never ever mach ich das nochmal. Ich war wirklich in allem schlecht. Wirklich. Ich meine, mag hier wer Bad Girls? I am a Bad Girl.. so totally bad at everything, especially at Bundesjugendspiele! Ich kann nicht weit springen, schnell rennen auch nicht, hoch auf Kommando hüpfen ist nicht meins und Ausdauer kann ich immerhin schreiben, das war es dann auch. Ich kann nicht mal den blöden Medizinball weit werfen. Warum auch? Wieso sollte ich das denn tun?! Und nein, ich bekam nie eine Ehrenurkunde und es ist mir totally egal.

Es hat ja vielleicht Menschen die sich sagen würden:

Ich beweise mir jetzt was. Ich mach nun endlich was ich früher für unmöglich hielt und hol mir ein Sportabzeichen.

Ich halt nicht, ich sammle genug Abzeichen in Videospielen und wenn ich mir was beweisen will, dann versuch ich mal wieder meinen Wieviele-M&M‘s-passen-in-meinen-Mund-Rekord zu brechen.. Das macht auch viel mehr Spass als Bundesjugendspiele.

In diesem Sinne: Ich hol mir jetzt M&M‘s.